Text vom Takt 1 – Apero

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag als “Videopodcast” publizieren. Da es jetzt ein wenig schwierig ist, ins Studio zu kommen, eben nur in Text.  Daher schreibe ich auch, «Wie mer da Schnabel gwachse isch»

Damit meine Gedanken in einen Kontext gebracht werden können, sei zu erwähnen, dass ich meine HMS+ 1998-2001 absolvierte, meinen Bachelor an der ZH(A)W 2001-2004.

In Bezug auf E-Didaktik aber auch generell selbstgesteuertem Lernen, hat sich in dieser Zeit enorm viel getan. 

Am Homecoming-Day 2018 der Kanti Enge meinte mein Klassenlehrer im Gespräch:

Christian, du würdest die Ausbildung nicht mehr erkennen, es hat sich sehr auf das Selbststudium fokussiert. Du mit deinem eigenen Notebook bist kein Exot mehr!

E-Learning war während der Kanti Zeit ein Fremdwort. Man hat zwar die Informatik als Hilfsmittel eingesetzt, aber an der eigentlichen Aufgabestellung hat sich eigentlich nichts geändert.

Die Motivation wird im Text vertieft behandelt und zieht sich wie ein roter Faden durch den CAS. Ich möchte zwei Beispiele aus meinem ZHW Bachelor erwähnen. Sie sollen negative als auch positive.

E-Learning Accounting
Der Studiengangleiter kündigte gross an, dass man jetzt auf die modere Plattform Moodle setzen werde. Zudem werde man die Module Englisch und Accounting kombinieren. Die Ernüchterung war aber gross: Es wurden im Moodle schlicht ein paar Texte zur Verfügung gestellt, allerdings ohne Mehrwert – im Präsenzunterricht hätte man sie uns ausgedruckt.
Der Frust war entsprechend gross und schnell sprach man von Sparmassnahmen.
Was hat uns aber motiviert Die Tasks doch zu erfüllen? Ohne diesen Task keine Modulprüfung.
Da sind sich wohl alle Teilnehmer vom CAS einig, DAS ist nicht wie es sein sollte.

In einem anderen Fach wurde uns PHP und MySQL beigebracht. Eine Technologie, wo auch Ilias darauf basiert. Frontalunterreicht existierte praktisch nicht. Die Vermittlung des Stoffs erfolgte im Selbststudium, teilweise sogar mit Videos.

Als Leistungsnachweis wurde verlangt, dass wir einen DVD-Shop programmieren, gemäss Anforderungsliste. Ich hatte den DVD-Shop relativ früh fertig, weil mich die Technologie faszinierte. Doch dann, merkte ich, dass mein guter Freund Raphi noch eine zusätzliche Funktion implementiert hat. Ich versuchte ihn zu übertrumpfen. Auch wenn ich den Leistungsnachweis schon längst erfüllt hatte, mein Ehrgeiz liess mir keine Ruhe.

Der Dozent war am Schluss auch überwältigt und meinte, er hätte so etwas noch nie gesehen. Das war für mich natürlich enorm befriedigend, auch wenn es sich im Schema “Aufwand zu ECTS” nie ausgezahlt hat, ich war noch selten so motiviert. 

Ich würde das aber nicht auf den Dozenten schieben, es schien mir einfach die spezielle Konstellation.

Die Medienkompetenz ist auch ein wichtiges Thema im Text. Gerade in schweren Zeiten wie Corona ist diese Fähigkeit enorm wichtig.

Was mache also mit einer Quelle?

Ich stelle mir vor, ich bin Dozent für das Modul VWL1 und sehen einen Tweet von Donald Trump. Kann ich diesen Tweet in meiner Lektion nutzen?

Natürlich!
Ich würde aber meine Studenten bitten, ihr Gedanken zum Thema zu formulieren.

Auch ein Video von FOX News könnte ich in meiner Vorlesung sehen, aber immer mit dem Fokus: Think what you see!

Vielleicht würde ich meinen Studenten auch sogar gewisse „Fake News“ anbieten, aber ich wäre mit ziemlich sicher, sie würden sie erkennen und würde dafür auch einige Zeit verwenden. Es wäre mit ein Anliegen, dass die Studenten lernen, Quellen entsprechend zu bewerten.

Wir sind jetzt in einer Situation, da hätte keiner damit gerechnet. Adobe Connect hat bei uns im Modul 2 mehr oder weniger funktioniert. Es ist selbst für mich als Nerd sehr stressig so ein Modul einfach nur am Bildschirm zu haben.

In diesem Sinne einen schönen Sonntag.

Ein Kommentar

  1. Lieber Chris
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Überlegungen zu den Inhalten des ersten Taktes und Lehrtextes. Das «Wie mer da Schnabel gwachse isch» liest sich sogar sehr angenehm.

    In Sachen E-Didaktik hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Wir in den Support-Einrichtungen haben einfach manchmal das Gefühl, dass das, was wir seit mehr als 15 Jahren predigen und was technisch grundsätzlich auch bereits möglich gewesen wäre, jetzt so langsam umgesetzt wird. Manchmal braucht es Notsituationen wie diese, die der Digitalisierung der Bildung ein wenig auf die Sprünge helfen. Es wird spannend sein zu sehen, was davon tatsächlich nachhaltig ist und bleibt. Oder kehren wir dann wieder zum Altbewährten zurück?

    Solche Erfahrungen mit Leistungsnachweisen habe ich auch bereits gemacht. Meist ist es bei mir das Thema, die Sache selbst die motiviert. Aber selbstverständlich kommen teilweise auch noch andere Dinge hinzu und vergisst Raum und Zeit. Auch das Problem ganz ohne oder ohne vernünftige Anreicherung ohne ein LMS zu studieren kenne ich – und das war zwischen 2010 und 2012 an der Uni Basel.

    Deine Überlegungen zu Medienkompetenz zeigen einige wichtige Aspekt auf. Schön, dass du Medienkompetenz nicht nur als technische Anwendungskompetenz siehst. Das, was du beschreibst, sind gehaltvolle, aktuelle Lernaufgaben. Wenn wir uns ausreichend Zeit nehmen, solche «guten Lernaufgaben» zu formulieren, führt das sicherlich zu einem besseren Lernerfolg – unabhängig von den eingesetzten Medien.

    Stressig (für Dozierende und Studierende) kann es dann werden, wenn man auf die Schnelle eine Präsenzveranstaltung in eine Online-Veranstaltung umwandeln muss. Wüsste man das im Vorfeld, würde man ja ganz anders planen (vgl. Takt 2). Das Erlebnis hatte ich vergangene Woche auch mit meinen Studierenden. Wir haben den Nachmittag dann getaktet mit Einzel- und Gruppenaufträgen und zwischendurch immer kurze Meetings in Teams gemacht.

    Ich wünsche dir weiterhin eine gute Reise zum E-Didaktik-Profi.

    Herzliche Grüsse
    Carola

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